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Zwei Esel auf dem Jakobsweg

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Zwei Esel auf dem Jakobsweg

Tim Moore: Zwei Esel auf dem

Jakobsweg

Heidrun Ochs

Der Jakobsweg ist einfach Kult. Wie gut, dass man sich nicht selbst auf die Socken machen muss, sondern den Spuren literarisch folgen kann. Fast alle, die sich auf den Camino begeben, haben ein mittleres bis großes Lebensdilemma hinter sich. Alle haben irgendwie eine Sinnkrise zu bewältigen und wollen wieder auf die richtige Spur kommen.

Der Jakobsweg als Reinigungsritual, ein Weg, der das auch nach außen hin zeigt: Ich nehme die Dinge in Angriff! Tim Moore wird auch auf dieses Spur gesetzt. Zum ersten Mal hört er vom Jakobsweg, als er sich mit ein paar anderen auf einer Kreuzfahrt befindet und einer ihm großspurig verkündet, dass er nächstes Jahr nach Santiago pilgern werde. Moore winkt zunächst nur ab. Aber wieder zu Hause, will nichts so richtig vorangehen und eines Tages fragt er sich beim Einräumen der Geschirrs entnervt, ob das wirklich alles sei, was er seinen Kindern beigebracht habe: Wie man den beschissenen Geschirrspüler einräumt? Er erinnert sich, dass just diese Worte auch Bob Geldorf  einst in eine tiefe Krise stürzten. Das kann doch nicht alles gewesen sein? Wieder fällt ihm der Jakobsweg ein. Allerdings: 800 km mit 20 kg Gepäck auf dem Buckel, das schreckt ihn ab. Warum sollte man diese mörderlange Strecke nicht schön leichtfüßig abspazieren und das Gepäck z. B. von einem Esel tragen lassen? Die Idee gewinnt an Gestalt. Moore belegt zunächst einmal ein Seminar, indem er sich voll und ganz mit dem Esel und der Pflege des Esels vertraut macht. Obwohl er schon hier erfährt, dass er und Esel nicht unbedingt füreinander geschaffen sind, kauft er in den französischen Pyrenäen einen Esel, der zu allem Unglück auch noch Shinto heißt. Und los geht sie, die abenteuerliche Pilgerfahrt, die schwieriger ist als gedacht, da Shinto sich zum Beispiel weigert, Holzrücken zu überqueren und Moore so recht langsam voran kommt. Außerdem muss er den Esel samt Gepäck Anstiege hinaufschieben und auf der anderen Seite wieder hinabzerren. Ganz zu schweigen davon, dass er ja nicht nur für sich selbst Unterschlupf und Nahrung besorgen muss, sondern auch für seinen vierbeinigen Weggefährten. Und das nimmt manchmal lebensgefährliche Ausmaße an. Zum Beispiel, als er Shinto mit Mutterkorn verseuchtem Getreide füttert und er danach einem wahnsinnig gewordenen Esel querfeldein durch die Wiesen nachstolpert.  Er trifft die abgefahrene Letje, die ihn mit esoterischem Gesülze in den Ohren liegt und die sich eines Hundes angenommen hat, weswegen auch sie Probleme hat, denn in die Pilgerherbergen darf man keine Hunde mitbringen. All die Erlebnisse erzählt Moore mit einem Schuss schwarzem Humor, findet treffende Namen für seine Weggefährten und vor allem weiß er die Anekdoten zu erzählen, die sich hinter manchem (Schein-)Heiligen oder Gebäude verbergen.

Da ist auch noch diese Pilgerin, die sich in jeder Stadt des Camino als eine andere ausgibt, mal ist sie Schauspielerin aus Hollywood, mal exzentrische Künstlerin. Das, was ihn besonders nervt, verpackt Moore sprachlich in so witziger Weise, dass dem Leser manchmal nichts anderes übrig bleibt, als während der Lektüre vor Lachen loszuprusten.

Eine Woche begleitet ihn seine Familie , es scheint, als wäre diese Zeit die glücklichste während seiner Pilgerschaft, das liegt vor allem an seiner Tochter Lilja, die sich als Eselsflüsterin betätigt. Ihr folgt Shinto gar über mit Bohlen belegte Brücken, die freien Blick auf rauschendes Wasser gewähren. Als die Familie wieder in ihre Heimat zurückkehrt, beginnt für Moore das alte Problem: Wieder muss er meilenweite Umwege im Kauf nehmen, denn Shinto reagiert nicht auf ihn. Nur seiner Tochter folgte er willig. Später trifft sich Moore mit seinem Bruder, auch er begleitet ihn ein Stück des Jakobswegs. Moore erweist sich hier als richtiger Familienmensch.

Die Quintessenz, die Moore dem Leser mitgeben kann, ist recht einfach: „Das Pilgern versetzt den Menschen in eine althergebrachte Lebensweise. Man zieht auf der Suche nach Nahrung und Schutz umher, dann schläft man und am nächsten Morgen geht es wieder von vorne los. Wenn man sich an diesen Rhythmus gewöhnt hat, werden viele uralte verschüttete Teile im Kopf wieder zum Leben erweckt.“  

(Tim Moore: Zwei Esel auf dem Jakobsweg, Cavadonga Verlag, TB, Bielefeld 2005, € 14,80)

28.07.2008, 10:24 von PW | 8356 Aufrufe
Bewertung: 1 2 3 4 5
Offline Leimsi Männlich
Grünschnabel
01
15 Punkte
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Zwei Esel auf dem Jakobsweg
Bild 21.05.2009, 09:33

Kann Atze nur zustimmen, mußte öfter mal herzhaft lachen beim lesen :)

Bild 21.05.2009, 09:33
Offline Atze Männlich
Anfänger
01
7 Punkte
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Zwei Esel
Bild 14.05.2009, 09:28

Das Buch ist eine Wonne, kann man auch ohne Esel lesen:)

Bild 14.05.2009, 09:28

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